Oleg Jurjew

Petersburg ist ein Universum. Die dichterische Produktion der Stadt unüberschaubar. Stichwort Oberiu. In Deutschland noch immer kaum bekannt, außer durch ein Dossier im Schreibheft und Charms. Dank der unermüdlichen Arbeit von Peter Urban, der einiges übersetzte, vor allem Charms Tagebücher, die einen kleinen Eindruck in die damalige Szene vermitteln. Petersburg hat die deutsche Belagerung überlebt und die Sowjetherrschaft überstanden.  Die künstlerische Produktion in der Stadt hat sich am leben erhalten und eine außergewöhnliche Spezifik entwickelt.

Ein herausragender Dichter der Gegenwart ist Oleg Jurjew, der jetzt in Frankfurt am Main lebt. (wenn er mal zu Hause ist.) Auf russisch ist gerade die Essaysammlung  „Pausenfüller – Buch der russischen Poesie“ erschienen. (grob übersetzt der Titel), die auf eine Übersetzung wartet. Im letzten Jahr erschien im Verlag Jung und Jung Jurjews wunderbarer  Gedichtband
„In zwei Spiegeln“, darin findet sich dieses Gedicht:

DIE EDENKOBENZIKADEN

Damit die Stille nicht zu hören wär‘
Zwischen halb acht auf zehn,
erfand Gott Nähmaschinchen,
die Reben zu Trauben vernähn.

Aber ginge auch nur eine entzwei,
blieben alle stehn bis daß der Klempner kommt:
die Nadel hoch ringt sich Geknäuel,
und unten häuft sich Traube dicht an Traube.

Einmal in fünfzehn Jahren reißt jeder Faden.

(Irgendwo im August, Anfang September,
Geruch, weingeräuchert, regenversilbert).

Die Kerze ohne Regung, Licht läuft in die Ärmel.

Wolken machen sich schwer, werden ausgelassen

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