Claire Goll

ich weiß, ich weiß, es ist ein schwieriger name und ihre anschuldigungen gegen celan waren haltlos (allerdings geht man mit männlichen kollegen selten so hart ins gericht wie mit ihr. naja jungs sind eben immer opfer der umständ, so scheint es, während die frauen von männern den umständen zugerechnet werden.)

ABER:

dieses heftchen solltet ihr lesen, denn es ist entzückend. und kostet soviel wie eine schachtel zigaretten plus billigem feuerzeug.

Claire Goll
Tagebuch eines Pferdes
Ein Gedicht in Prosa
Nachdruck der Ausgabe von 1952

hochroth Verlag
Berlin 2013

auszug:

 

FESTTAG – ST. BUCEPHALUS

HEUTE hat sich das Syndikat der Pferde gebildet. Man hat mich zum Vorstandsmitglied gewählt. Habe deshalb immer mit den Füßen zu scharren. Es wurde folgender Aufruf erlassen:

Die Pferde der Bergwerke, der Pariser Markthallen, der Speditions- und Lastwagen, der Droschken und Postkutschen, der Batterie- und sonstigen Leichenwagen, die Drehmühlenpferde, die Genossen der Minen, die Pferde der Schiffszieher der Wolga, die nördlichen Pferde, die das Seegras in eisigen Meeren holen müssen, die Kameraden, die durch Reisfelder waten, Spanier und Mexikaner, die man in Stierkämpfen martert, Marrokaner, von arabischen Reitern in Fantasias gequält, kurz alle proletarischen Vierfüßler protestieren hiermit feierlich gegen den Missbrauch ihres Lebens durch den Menschen und fordern die Tierschutzvereine auf, sie zu unterstützen in ihren Forderungen:
Achtstundentag, Sonntagsruhe, Abschaffung der Leichenschändung und Wurstverarbeitung, Aluminiumhufe für alle Pferde, Gummireifen an allen Wagen, Bestrafung jeder Handhabung der Peitsche, Invaliden- und Altersversicherung, vierzehn Tage Ferien. Sonst Androhung des Generalstreiks, solidarisches Stillstehen aller Pferde der Welt.

Der Pferdeausschuss.

 

natürlich entspinnt sich im anschluss eine liebesgeschichte.

lesen!

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Hochroth

neben vielen spannenden neuen publikationen des verlages hochroth  scheinen mir diese beiden besonders interessant.
Wilfried Owen: Befremdliche Begegnung, Gedichte, aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Johannes CS Frank

die texte owens konnte ich vor der drucklegung schon lesen, und ich war sehr beeindruckt. im gegensatz zu anderen war poets fehlt hier alles nationalpathetische

und das folgende reizt mich aufgrund eine alten liebe zu claire goll, ihrem roman Der Neger Jupiter raubt Europa und ihrer autobiografie
Claire Goll: Tagebuch eines Pferdes, Ein Gedicht in Prosa, Nachdruck der Ausgabe von 1952

DULCE ET DECORUM EST

by WILFRED OWEN

Bent double, like old beggars under sacks,

Knock-kneed, coughing like hags, we cursed through sludge,

Till on the haunting flares we turned our backs

And towards our distant rest began to trudge.

Men marched asleep. Many had lost their boots

But limped on, blood-shod. All went lame; all blind;

Drunk with fatigue; deaf even to the hoots

Of tired, outstripped Five-Nines that dropped behind.

Gas! Gas! Quick, boys!—An ecstasy of fumbling,

Fitting the clumsy helmets just in time;

But someone still was yelling out and stumbling,

And flound’ring like a man in fire or lime…

Dim, through the misty panes and thick green light,

As under a green sea, I saw him drowning.

In all my dreams, before my helpless sight,

He plunges at me, guttering, choking, drowning.

If in some smothering dreams you too could pace

Behind the wagon that we flung him in,

And watch the white eyes writhing in his face,

His hanging face, like a devil’s sick of sin;

If you could hear, at every jolt, the blood

Come gargling from the froth-corrupted lungs,

Obscene as cancer, bitter as the cud

Of vile, incurable sores on innocent tongues,—

My friend, you would not tell with such high zest

To children ardent for some desperate glory,

The old Lie: Dulce et decorum est Pro patria mori.